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Hans Werner Henze (1926) -
Die Stilistik der Interpretation der
Partitur für Klavier: Cherubino
Corina Ungureanu-Kiss,
Germania
Übersetzung aus dem Rumänischen:
Christine Wiume
Henze ist der Komponist extremer Emotionen. Auch in
dieser Hinsicht ist seine Ästhetik durch und durch profan: Jede
musikalische Wahrnehmung ist eine sinnliche Erfahrung.
Der Ausdruck Stil wird oft benutzt, insbesondere im 20. Jahrhundert. Er
hat zahlreiche Bedeutungen, die manchmal sogar widersprüchlich sind. Der
Stilgedanke bezieht sich auf die Gesamtheit der Ausdrucksmittel der
musikalischen Sprache einer Periode, eines Komponisten und eines
Interpreten. Die Problematik des Stils wird im Normalfall mit dem Stil
der interpretierten Komposition verwechselt. Dies führte dazu, dass
zahlreiche Studien sie aus unterschiedlichen Perspektiven betrachteten,
manchmal interdisziplinäre Methoden und die neuesten Arbeitsinstrumente
anwandten, wie zum Beispiel den Strukturalismus, die Semiologie und die
moderne Mathematik. Seit dem 17. und 18. Jahrhundert weisen Methoden und
Abhandlungen eine Richtung für eine angemessene Analyse oder
Interpretation.
In der seriellen Musik wird die Theorie der Mengenlehre entsprechend
durch den abstrakten Aspekt seiner Generierung erklärt. Und durch die
computergestützte Analyse der modalen, tonalen, seriellen Musik hat man
eine gewisse Schwierigkeit, die Sprache zu konzeptualisieren, die für
die technische Manipulation notwendig ist. Die Ebenen einer Analyse
scheinen eine Ähnlichkeit mit dem Dreieck des französischen Semiologen
Jean-Jacques Nattiez zu haben, dessen Spitze nach unten zeigt und bei
dem die semantischen Schichten des stilistisch-musikalischen Konzeptes
bei der Weltmusik beginnt und das Referenzsystem durch:
- den Stil einer Gattung oder einer Epoche,
- den Stil eines Komponisten,
- den Stil einer Periode im Leben des Komponisten bestimmt.
Der kompositorische Stil von Hans Werner Henze wird immer komplexer und
tiefsinniger, da die semiotische Komplexität von Henze anfängt einen
einheitlichen Aspekt zu umreißen, wenn wir sie als ein Feld globaler
Symbolik betrachten, in dem die Komponenten voneinander abhängen.
Der interpretatorische Stil ist von Natur aus ein kurzlebiger Akt, der
im 19. Jahrhundert mit Ernsthaftigkeit angegangen worden ist. Die
Interpretation an sich ist nicht nur ein Bindeglied zwischen dem
Schöpfer und dem Publikum, sie ist auch eine schöpferische Etappe mit
einem eigenen essentiellen Beitrag zur Vervollkommnung des musikalischen
Werkes, das sich je nach Interpretation verändert. Die Interpretation
ist ein semiologisches Übertragungsmittel, das auf spezifische seelische
Zustände baut und es schafft, eine unendliche Vielfalt an emotionalen
Nuancen einzufangen. Der Interpret ist derjenige, der dem Werk durch das
Hinzufügen eines emotionalen Inhalts Leben einhaucht. Dieser kann einer
anderen Epoche angehören als der, in dem die Musik komponiert worden
ist. Als Beispiel führe ich die Arbeit von Henze Cherubino (1980/81)
auf. Es handelt sich um drei Miniaturen, die sich in kontrapunktischem
Stil zu alten Formen befinden und ein musikalisches Mosaik darstellen,
die den zwei Arien des Protagonisten „Cherubino“ aus der Oper Die
Hochzeit des Figaro von Mozart nachempfunden wurden. Ich stelle die
Interpretation von Homero Francesch aus dem Jahr 1990 (Westdeutscher
Rundfunk, Köln) jener von Jan Philip Schulze im Jahr 2005 (Bayerische
Rundfunk, München) gegenüber. Was in der Interpretation von Francesch
überrascht und stimuliert ist die Originalität, mit der er die Botschaft
der Musik und den synthetischen Geist der Sprache von Henze wiedergibt,
während Schulze eine individuellere grafische Form ausdrückt, die er
vielmehr suggestiv und originell einbringt.
In der ersten Miniatur, Andante cantabile, unterstreicht Francesch den
Dialog zwischen den Stimmen, den Typus des kontrapunktischen Chores, und
ab dem 34 bis zum 37 Takt bringt er Zweiunddreißigstelnoten, die für die
linke Hand geschrieben sind, timbriert wie die Inszenierung von Wellen.
Die Interpretation von Schulze ist sowohl in rhythmischer als auch in
expressiver Hinsicht viel artikulierter. Die von Henze gezeichneten
Passagen in staccato und legato spielt Francesch portato, während
Schulze sie staccato vorträgt. Der Pianist Francesch erlaubt sich auch
andere verlangsamte Rhythmen, die nicht in der Partitur stehen (im
Bereich B, Takt 12 und 26). Seine Interpretation ist viel freier. In der
zweiten Miniatur Sostenuto, gibt er die Transparenz des musikalischen
Diskurses wieder, indem er bachähnliche Klangfarben hervorbringt.
Schulze gibt diesen Stimmen eine klarere Dynamik, mit stärkeren Farben
und einem bewegteren Tempo. Auch die dritte Miniatur, Con allegrezza,
die einen scherzoähnlichen Charakter hat, weist interpretatorische
Unterschiede auf: Sowohl Francesch als auch Schulze spielen keine
Dialoge zwischen den Signalpassagen, die mit Zweiunddreißigstelnoten
geschrieben sind, und jenen mit großen Werten, sie führen vielmehr die
Idee fort.
Was bei beiden Interpretationen auffällt ist die Dynamik, die bei jedem
Interpreten einen besonderen Stil hervorbringt, auch wenn es eine
gewisse Klangfarbe gibt, die vom Komponisten festgelegt wurde. Homero
Francesch interpretiert mit einem Hang zur Tradition (Bach oder Mozart).
Es gelingt ihm die Welt der Ideen von Henze mit Natürlichkeit zu
durchqueren. Er fasziniert durch die Noblesse seines Charakters und
durch die innere Schönheit, die der Partitur einen beispielhaften
Ausdruck verleiht: eine Musik des Protagonisten Cherubino und der
vorgestellten Liebe. Die dynamische Note, die Francesch vorschlägt,
befindet sich zwischen pppp und mf, auch wenn in der Partitur immer
wieder die Nuance von ff auftaucht (in der zweiten Miniatur, im 18 und
in der dritten Miniatur in den Takten 12, 22, 59, 65 und 74). Jan Philip
Schulze legt einen sehr inspirierten interpretatorischen Stil an den Tag
mit Klängen, die durch ihre gekonnte Dosierung eine timbrierte
Verbindung schaffen zwischen den aktuellsten technischen Leistungen
(fff) und dem warmen Klang, der von der Milde der Passagen (pppp)
angeboten wird.
Der Interpret Schulze scheut sich nicht, seine Verbindungen zu
enthüllen. Seine neoklassische Haltung lässt die Affinität zur Moderne
auch in den Arbeiten Variationen für Klavier op.13 (1948), Sonate für
Klavier (1959) durchscheinen. Francesch interpretiert die Arbeiten von
Henze bewegend und erobert das Publikum durch die Aufmerksamkeit, die er
der Seele schenkt, während er sich in empfindlichen Gegenden bewegt: von
der enthusiastischen Sinnlichkeit zur Tragik ohne Entkommen, oder von
der stillen Kontemplation (Sechs Stücke für junge Pianisten) zur
Dramatik des Lebenskampfes (Teil III der Sonate für Klavier).
Wenn man den musikalischen Diskurs der Partituren für Klavier von Hans
Werner Henze kennt und dann die Interpretation der beiden Pianisten
betrachtet, so muss man feststellen, dass sie sich einer streng
wissenschaftlichen Analyse entziehen, da sie eine Dualität
heraufbeschwören zwischen dem was ausgedrückt wird und dem was
ausgedrückt werden soll. Das Denken der Interpreten wird von imaginären
Lösungen bestimmt, um eine Verbindungsebene zu schaffen zwischen der
musikalischen Schöpfung und der interpretativen Leistung. Wenn wir die
interpretative Stilistik der beiden Interpreten betrachten, können wir
feststellen, dass der Bruch mit den traditionellen Klischees der
zeitgenössischen pianistischen Ästhetik völlig andere Möglichkeiten
eröffnet.
Corina Ungureanu-Kiss, Deutschland
Übersetzung aus dem Rumänischen:
Christine Wiume
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* Corina
Ungureanu-Kiss (foto stânga, la pian), nascută cu numele de Ungureanu,
pianist, teoretician si muzicolog român din Germania. Născută în Câmpina-Prahova, educaţia
muzicală primind-o de la tatăl său
(clarinetist-saxofonist la Teatrul din Ploiesti), mai apoi în 1969 de la
pianistul concertist al României Sturza Bulandra (fratele actriţei Lucia
Bulandra). Din 1970, familia se mută definitiv la Braşov,
(părinţii Gheorghe si Vasilica Ungureanu), Corina Ungureanu urmând
clasele I -VIII, la Liceul de Artă la specialitatea PIAN, liceul
termanându-l la "G. Enescu" din Bucureşti şi Conservatorul-Bucuresti, cu
specialitatea pedagogie instrumentală-pian. Actualmente în curs de
terminare a titlului de Doctor în Muzică, cu specialitatea muzicologie.
Din anul 1997 trăieşte în Germania-Düsseldorf, activează ca profesoară
de pian şi teorie la Volkshochschule -
Düsseldorf. Susţine recitale si concerte de pian, scrie articole despre
muzicieni români care trăiesc în străinătate (ex. Mihaela Ungureanu, -
Austria, Mirela Beiser - U.S.A, Christian Beldi, -Germania; etc.).
Din 2006 este coloboratoare la revista
"aLtitudini" din Bucureşti, iar din ianuarie 2007 este membră a Uniunii
Compozitorilor din Germania (GEMA), compunând piese pentru pian, cum ar
fi: Tristeţe (Traurigkeit), Roata (Das Rad), Amintire (Erinnerung),
Melancolie (Melancholie), etc. Captată de filozofie, literatură şi
istoria muzicii, scriind paralelisme între aceste specialităţi, cu care
a participat la comunicări ştiinţifice şi concursuri (numeroase premii). In anul 2008 Premiul 2 la Concursul de
Compozitie "Familien musizieren" din Siegburg -Germania. Corina Ungureanu-Kiss a dat recitale în
Europa: România, Ungaria, Austria, Luxemburg, Italia, Spania,
Germania şi in SUA la Chicago si St. Louis. in 2009 cât si în
2010 am obtinut Dimplomă de onoare pentru pregatirea elevilor si
studentilor (unde toti au luat premiile 1 si 2) la Concursul
International de Studii - Pian, din St. Georgen - Germania.
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